• detail-decke-kirche-krostitz.jpg
  • fries-kirche-krostitz.jpg
  • kirche-krostitz-2.jpg
  • kirche-krostitz.jpg
  • kirchenspiel-krostitz-header-1.jpg
  • oegel-detail-2-kirchenspiel.jpg
  • orgel-dteail-korstitz-kirchenspiel.jpg
  • orgel-kirchenspiel-krostiz.jpg
  • sonnenuhr-kirche-krostitz.jpg

Herzlich willkommen im Evangelischen Kirchspiel Krostitz

Dorfkirche, 12./ 17. Jh.

Auch die Pehritzscher Kirche stellt auf ihre Weise eine Besonderheit dar: Der Turm steht nicht wie gewöhnlich im Westen, sondern im Osten der Kirche hinter dem Altar. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Erklärungsmöglichkeiten: Entweder stand der Turm ursprünglich im Westen der Kirche, also dem Altar gegenüber und ein früheres Kirchenschiff wurde zu klein, so dass man ein größeres Schiff nach Westen baute. Oder der Turm stand ursprünglich an der Ostseite und war über den Altarraum gebaut. Es finden sich am Turm romanische Elemente. Eine erste Pehritzscher Kirche könnte also um 1200 gebaut worden sein. Das heutige Kirchengebäude stammt vermutlich aus dem 17. oder der ersten Hälfte des 18. Jh. Die Wetterfahne trägt die Jahreszahl 1976. In den 80er Jahren wurde die Kirche abgeputzt und das Dach gedeckt, dennoch sind weitere Erhaltungsarbeiten nötig. Seit 1980 ist auch Pehritzsch keine eigene Pfarrstelle mehr. Nachdem Pfarrer Raduhn in den Ruhestand ging, wurde Pehritzsch von Eilenburg aus betreut, seit 1993 gehört es zum Pfarrbereich Weltewitz. Die Überlegungen, was mit dem Pfarrhaus werden soll, wurden dadurch begünstigt, dass der damalige Superintendent eine Unterbringungsmöglichkeit für eine Bibliothek suchte. In dieser Bibliothek sammelte eine Gruppe von Theologen und kirchlichen Mitarbeitern theologische Literatur. Es wurde Literatur beschafft, die in der DDR schwer oder gar nicht zu haben war. Sie stellt beinahe ein eigenes Stück DDR-Geschichte dar, denn sie bewegte sich damals hart am Rande der Legalität. Diese Bibliothek brachte man im Pehritzscher Pfarrhaus unter. Sie sollte vor allem dem theologischen Nachwuchs dienen. Dann kam die Wende. Die Bibliotheken hatten danach alles verfügbar, der "Verein zur Auswertung theologischer Literatur" wurde zur "Akademie für Bildung und Wissenschaft e.V."

Anfang der 90er Jahre entstand neben dem Pfarrhaus ein neues Haus mit einer Kapelle, die auch von der evangelischen Gemeinde im Winter zu Gottesdiensten genutzt wird. Im Studienhaus finden Seminare statt, u.a. Weiterbildungen für Religionslehrer. Zurzeit konzentriert sich die Arbeit auf die Durchführung von Kursen in Ethik und Religion für Lehrerinnen und Lehrer aus Russland und anderen Ländern Osteuropas. Viele Geschichten gibt es in Pehritzsch auch um ein ehemaliges Klostergut. Es gehörte zu den Kloster-Bergenschen-Stiftungen und wurde von verschiedenen Pächtern genutzt. Familie Naumann war der letzte private Pächter bis nach dem Krieg und stiftete noch vor dem Kriege eine Glocke für die Kirche. In der DDR wurde das Klostergut Volksgut. Inzwischen sind die Felder von der Treuhand an landwirtschaftliche Betriebe verpachtet. Die Rückübereignung an die Kirche in Verwaltung der Klosterkammer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) soll bald ihren Abschluss finden.

(aus "Spuren in Stein")

Kirche Pehritzsch 16a

Kirche Pehritzsch 17aUnsere Kirchen: Pehritzsch
Nicht nur der gewaltige Turm der Eilenburger Marktkirche, auch die Kirche in Pehritzsch wird auf ihrem Turm von einer Dachlaterne bekrönt. In der Advents- und Weihnachtszeit leuchtet darin ein Stern weit über die Felder bis hin nach Wöllmen und Gotha. Die Anfänge der Kirche sind leider nicht dokumentiert, lediglich einige romanische Elemente am Turm lassen vermuten, dass eine erste Kirche bereits um 1200 erbaut worden war. Östlich des Turms könnten Fundamentreste darauf hinweisen, dass sich ursprünglich das Kirchenschiff auf dieser Seite anschloss.

Aus unbekannten Gründen wurde dieses dann im 17. oder frühen 18. Jahrhundert auf die Westseite verlegt. Zu der Parochie Pehritzsch gehörte schon früh das benachbarte Gotha und die alte Wallfahrtskirche in Wöllmen. Das Patronatsrecht über Pehritzsch hat oft gewechselt. Zuerst wurde es vom Pfarrer von Weltewitz als geistlichen Lehnsherrn ausgeübt, später vom Kurfürsten selbst. Im Jahr 1609 kam es durch Tausch gegen die sogenannte Propstei Weltewitz an das Haus Groitzsch. Seit 1633 aber stand Pehritzsch wieder unter landesherrlichem Patronat. Zwei Jahre zuvor war Sachsen an der Seite der Schweden in den Dreißigjährigen Krieg eingetreten.

Prompt erlitt auch Pehritzsch durch kaiserliche Truppen schwere Schädigungen. So wurde durch diese das erst neu gebaute Pfarrhaus angezündet. 1635 kam Daniel Peck nach Pehritzsch und versah über die schwersten Jahre hinweg einen aufopferungsvollen Dienst als Seelsorger und Pfarrer: Pest, Hungersnot und Plünderungen vielen in seine Amtszeit, währenddessen er auch die Pfarrstelle in Weltewitz bis über das Kriegsende hinaus mitversorgen musste. Während der schlimmsten Pestzeit hielt er auch in Eilenburg über 100 Predigten und besuchte viele Kranke.

Der Innenraum der Kirche zeugt von dem evangelischen Glauben. Bereits um 1530 war die Reformation nach Pehritzsch gelangt. Eine 1534 durchgeführte Visitation belobigte den ersten evangelischen Pfarrer, Johannes Richter. In der Zeit des Frühbarock müssen Kanzelaltar und Emporen eingebaut worden sein.Kirche Pehritzsch 5a

Kirche Pehritzsch 4aDas stark gedunkelte Altarbild zeigt das letzte Abendmahl mit einem außergewöhnlichen Detail, denn das Brot, von Jesus Christus den Jüngern und Betrachtern gereicht, hat die Form eines Herzens. So sollte erinnert werden, dass Jesus sein Leib und Leben aus Liebe den Vielen geopfert hat. Über dem Altar aber die Kanzel, von der aus Gottes Wort verkündigt werden sollte. Der Kanzelaufgang im Turm erinnert den, der ihn betritt, an das Wort aus dem 1. Petrusbrief: „Wenn jemand redet, rede er’s als Gottes Wort“ (4,11).

Kirche Pehritzsch 7aAuch aus jüngster Zeit finden sich viele Zeugnisse im Kirchenraum, Plakate und Banner, die an den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung erinnern, oder eine Menorah, die an unser Eingepflanztsein im jüdischen Glauben erinnert. Immer hat es Menschen gegeben, die sich für die Pehritzscher Kirche eingesetzt haben. Am Turmputz ist die Jahreszahl 1975 zu finden, in der Wetterfahne 1976. In diesen Jahren wurde unter Pfarrer Raduhn und unter Mithilfe vieler Pehritzscher die Kirche verputzt, der Turm saniert und das Dach gedeckt. Im vergangenen Jahr wurden diese Bereiche unter Mithilfe großzügiger Fördermittelgeber sehr schön saniert. Ehrenamtlich wurde der Weg zur Kirche begradigt und gepflastert, dann kam ein praktisches Geländer hinzu, sodass auch die Gehbehinderten einen guten Halt finden. Ebenfalls ehrenamtlich und mit viel persönlichem Einsatz wurden die Vorhalle und der Altarraum im Frühsommer neu geweißt. (fk)

 

 

 

>> Zurück zum Seitenanfang

 
Fotogalerie Pehritzsch:

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

>> Zurück zum Seitenanfang

 

 

 

 

 

 

 

Dorfkirche, 11. Jh.

Die Kirche östlich im Dorf ist eine romanische Anlage. Der Turm ist mit dem Schiff gleich breit. Die Kirche wurde aus Feld- und Bruchsteinen gebaut. Im Turm befinden sich drei Bronzeglocken. Die älteste stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert, die beiden anderen von 1881. Unmittelbar vor dem Altar steht der steinerne Taufstein von 1600. Die Orgel mit Barockausstattung wurde 1721 eingebaut. Bei den jüngsten Außenrenovierungsarbeiten fand man 1996 unter dem Putz der Südwand ein zugemauertes romanisches Portal und ein zugemauertes Fenster aus gleicher Zeit. Innen sind Chor und Saal durch einen Rundbogen verbunden. Beide Räume haben flache holzverschalte Decken. Die hölzerne Altarwand stammt aus dem Jahr 1892.

(aus "Spuren in Stein") 

In der dunklen Jahreszeit staunt mancher Autofahrer über das farbige Licht, dass aus einem Radfenster der Mocherwitzer Kirche bricht. Das romanische Gebäude liegt nahe an der Durchfahrtsstraße und hat wohl schon in früheren Zeiten die Reisenden zum Innehalten eingeladen. Dabei fällt der älteste, um 1050 n. Chr. erbaute Teil heute kaum noch ins Auge. Die erste Kapelle wirkt heute wie ein Anbau, der an der Nordseite gelegen ist. An dieser Stelle wird ursprünglich ein sorbisch-wendischer Gerichtsplatz vermutet. Mönche aus Magdeburg, Merseburg und vom Petersberg haben hier den Grundstein für ein christliches Gotteshaus gelegt. Wer heute diesen ältesten Teil betritt, muss drei Stufen unter das jetzige Oberflächenniveau hinabsteigen. Der winzige Raum kann nur wenigen Menschen Raum gegeben haben. Um das Jahr 1250 wurde deshalb auf der Südseite eine größere Kapelle angebaut, der jetzige Chorraum.

mo altUnd 1380 erweiterte man diesen Raum um das Kirchenschiff mit drei romanischen Fenstern, einem Eingang im Süden und einem wehrhaften Kirchturm gen Westen. Als Baumaterial verwendete man Bruchsteine, Findlinge und Raseneisensteine. Als man 1721 eine Orgel einbauen wollte, verband man den Turm und das Schiff, in dem die Zwischenwand durchbrochen und eine Empore eingebaut wurde. Die Tür an der Südseite baute man nun zu einem Fenster um, und die Turmtür wurde zum eigentlichen Kircheneingang. Die älteste Kapelle benutzte man noch bis 1891 als Sakristei. Zu dieser Zeit rückte man den Altar nach vorne, so dass der Raum dahinter ebenfalls zum Ankleiden des Pfarrers und als Sakristei genutzt werden konnte. Die Tür aber nach der alten Kapelle mauerte man zu und nutzte diesen Raum nur noch von außen als Leichenhalle.

Zur Inneneinrichtung der Kirche gehören heute der Taufstein aus dem Jahr 1600 und die Rühlmann-Orgel, die noch das Schnitzwerk des barocken Vorgängerinstruments trägt. Die Altarwand wurde erst 1892 eingebaut. Im letzten Weltkrieg sind zwei von drei Bronzeglocken abtransportiert worden. 1956 wurden neue Stahlglocken eingebracht. Zu den jüngsten Erinnerungen gehören auch die Störche, die sich seit 1960 regelmäßig auf dem Mocherwitzer Kirchendach häuslich niederließen. Mehrfach haben die Mocherwitzer ihren Störchen das Nest neu befestigt. Aber auch an der Kirche selbst wurde immer wieder mit viel ehrenamtlichem Engagement Hand angelegt: 1964 wurde das Dach völlig neu gedeckt; 1978 der Taubenmist aus dem Turm entfernt; 1985 der Innenraum neu gestrichen und verputzt und der Fußboden verlegt; 1993 die Stromleitung zur Kirche gelegt; 1995 eine Entwässerung der Fundamente bewerkstelligt; 1997 die Fenster angestrichen und die Altarbehänge erneuert; 2002 eine elektrische Orgel gekauft; 2003 Stühle aus der Brinnis Gastwirtschaft angekauft; 2008 ein Tropfwasserschutz an den Außengesimsen und Turmluken angebracht. Die nächste Station ist eine komplette Dacherneuerung nach historischem Vorbild. Weitere Bauarbeiten an Turm und Kirchenschiff (Risssanierung) sollen sich dringend anschließen.

(aus Gemeindeblatt 09-11-2019)

Sanierung: Kirche Mocherwitz offenbart Baugeheimnisse

mocherwitz 0521Der Turm der Mocherwitzer Kirche zeigt nacktes Mauerwerk. Auch mit dem Dachdecken geht es seit einiger Zeit nicht mehr voran. Die Sanierung braucht mehr Zeit als gedacht. „Viele der Arbeiten haben der Sicherung gedient“, erklärt der Krostitzer Pfarrer Friedemann Krumbiegel. So musste ein Riss, der vor acht Jahren entdeckt wurde, beseitigt werden. Die stählernen Maueranker sind zu erneuern. Morsche Steine müssen ausgetauscht werden. Die Haltbarkeit des Gebälks wurde überprüft, schadhaftes wurde ausgetauscht. Eine aufwändige Prozedur. Denn alles geschah unter der Prämisse, so viel wie möglich zu erhalten. Schließlich sind die Hunderte Jahre alten Eichenbalken wertvoll. Wenn sie noch halten. Doch wie so oft bei alten Bauten zeigten sich das wahre Ausmaß der Schäden erst im Baugeschehen.

So ergaben sich immer wieder neue Hürden. „Die Handwerker stehen dann natürlich auch nicht immer parat. Wir sind schon fürchterlich in Verzug geraten“, so Bernd Hennig vom Vorstand der örtlichen Kirchengemeinde. Zuletzt wurden nun auch noch am Gesims unterm Dach Reliefsteine entdeckt, die während voriger Sanierungen mit Zement überkleistert worden waren. Diese sollen nun wieder freigelegt oder fachgerecht erneuert werden. Auch damit ergeben sich weitere Verzögerungen. Denn das Dach kann bis dahin nicht fertig gedeckt werden. Das letzte Mal bekam der Turm in den 1960er-Jahren neue Dachziegel. „Wir haben im Turm die Zahlen 1735/36 gefunden. Vermutlich ist damals das letzte Mal grundhaft etwas gemacht worden“, so Bernd Hennig.

Parallel laufen aber bereits die Vorplanungen für die Sanierung des Kirchenschiffes. Auch dort soll das Dach neu gedeckt, das Gebälk ebenfalls untersucht und wo nötig repariert werden. Die Kirche im 170-Einwohner-Ort ist eine der ältesten im Landkreis Nordsachsen. Die ältesten Gebäudeteile stammen aus der Zeit um 1050. Heute hat die rührige Kirchengemeinde im Ort 25 Mitglieder. Aber beim Aufräumen auf der Baustelle halfen auch schon nichtkirchliche Mocherwitzer gern mit.


Quelle: LVZ | Heike Liesaus | 22. Mai 2021

 
 
>> Zurück zum Seitenanfang
 
Fotogalerie Mocherwitz:

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

>> Zurück zum Seitenanfang

Dorfkirche, 1209

Die älteste Jahreszahl, die einen Hinweis auf die Entstehungszeit der Liemehnaer Kirche gibt, findet sich an einem Stein der romanischen Grundmauern: 1209. Der wuchtige Turm lässt ebenfalls auf die romanische Entstehung der Kirche schließen. Sie dürfte allerdings ursprünglich kleiner gewesen sein. Eine erste größere bauliche Veränderung wird im 15. Jh. angenommen. Darauf weist vor allem das sehr schöne Portal der Kirche hin, das als spätgotische Porphyrarbeit aus dieser Zeit stammt. 
Auch in Liemehna begegnet man den Spuren des 30jährigen Krieges. Kirche und Pfarrhaus waren verwüstet. In der Kirche sollen sich Söldner eingenistet haben, welche die Handelsstraße Eilenburg-Leipzig kontrollierten und wie von einem Raubritternest aus viele Vorbeiziehende ausraubten. Nachdem wieder Frieden in den Landen eingekehrt war, setzte man auch
die Liemehnaer Kirche wieder instand. Sie wurde in den Jahren 1658-1660 wiederaufgebaut und 1660 geweiht. Aus dieser Zeit stammt ihre heutige Gestalt, vielleicht sogar das verwitterte Zifferblatt. Auch der Turm wurde damals, aber erst zehn Jahre nach der Wiedereinweihung, nämlich 1670, höher gebaut und erhielt die Haube, die noch heute weithin sichtbar ist. 

Eine erste Orgel wurde bereits 1684 eingebaut. Diese wurde im Jahr 1856 durch eine neue ersetzt. Die heutige Orgel ist entweder ein Umbau oder eine Nachfolgerin der Orgel von 1856 und wurde um 1900 erbaut. Heute bereitet die Kirche der Gemeinde wieder
Kopfzerbrechen. Allerdings hat noch niemand darüber gereimt. Der Turm wurde 1990 erneuert, das Dach 1993 gedeckt. Beste Voraussetzungen sind also zum Erhalt gegeben. Jedoch der Dachbereich, aber auch Teile der Empore, Bänke, Wandpaneel und Fußboden sind schwammbefallen. Die Kirche muss trockengelegt werden. Die Feuchtigkeit, die in den meisten Kirchen das größte Problem ist, muss bekämpft werden; auch Holzschäden müssen repariert werden. Die Gemeinde musste schon auf die vielgeliebte Christvesper in der Kirche verzichten und "Stille Nacht" im Saal der ehemaligen Gaststätte singen. Seit über 20 Jahren hat Liemehna keinen Pfarrer mehr. Das unbewohnte Pfarrhaus drohte zu verfallen und einzustürzen. Dank der Bemühung eines Gemeindegliedes und Lehrers am Theologischen Seminar in Leipzig konnten Theologiestudenten dafür interessiert und gewonnen werden, im Pfarrhaus einzuziehen. So wurde 1973 die Bruderschaft Liemehna gegründet. In Zusammenarbeit von Gemeinde und Studenten in zum Teil abenteuerlichen Aktionen gelang es, das Pfarrhaus zu erhalten.
Heute wohnen sieben Studenten im Pfarrhaus und hoffentlich kommen immer wieder neue. Es ist für die Liemehnaer wichtig geworden, dass "die Studenten" da sind. Sie unterstützen den Pfarrer und die Gemeinde, halten Gottesdienst, kümmern sich um einzelne Gemeindeglieder, sorgen auch für die Kirche und helfen bei den notwendigen baulichen Aktionen mit. 

(aus: Spuren in Stein)

liemehna19Egal aus welcher Richtung man nach Liemehna kommt von weitem sieht man die über 800jährige Kirche. Die alten Grundmauern und der wuchtige Turm lassen auf die romanische Entstehungszeit schließen. Vermutet wird, Gerbstedter Nonnen gründeten die Kirche in Liemehna im Jahr 1209.
Der dreißigjährige Krieg forderte wie überall auch in Liemehna seinen Tribut. Von der Kirche aus hatte man einen guten Überblick auf die Handelsstraße Leipzig–Eilenburg. Die Schweden nutzten deshalb dieses Quartier, um Biertransporte zu überfallen. Ein verheerender Brand entstand und vernichtete 1639 die Pfarrwohnung, Stallgebäude, Scheune - und auch die Kirche wurde Opfer der Flammen. In nur wenigen Stunden war nur noch ein Trümmerhaufen vorhanden.
Jahre nach dieser Katastrophe baute man das Pfarrhaus und die Scheune wieder auf. Aus dem Metall der vom Brand zerstörten Glocken wurden 1653 von Meister Peter Stengler in der Rotgießerei Leipzig zwei neue Glocken gegossen und auf einem Glockenstuhl aufgehängt. Die Kirche ist von 1658 - 1660 wieder aufgebaut wurden. Das nötige Geld kam aus sechs Diözesen und das nötige Holz wurde von Kurfürst Johann Georg aus den sächsischen Wäldern bewilligt. Weitere zehn Jahre später wurde der Turm von Meister Andreas Rauchfußen (Eilenburg) höher gebaut und erhielt seine noch heute weithin sichtbare Haube. Die Glocken fanden endlich wieder Platz im Turm. Die Eindeckung des Turmes mit Schiefer übernahm Meister Samuel Burckhard aus Torgau, den Knopf mit Fahne und Stern hat Meister Georg Gollwitz, ein Kupferschmied aus Eilenburg, gefertigt. Die Uhr wurde wieder hergerichtet, Altar, Predigtstuhl und Taufstein wurden von einem Kunstmaler aus Eilenburg bemalt. 1681 ist die obere Decke in der Kirche gemalt wurden. In alten Unterlagen findet sich die Nachricht vom Kauf eines neuen Orgelwerks 1684. 1727 wird die Orgel durch eine neue ersetzt.
liemehna kirchturm1 19Reparaturen an Kirche und Kirchturm sind in den folgenden Jahren immer wieder durchgeführt wurden. 1830 wurden größere bauliche Veränderungen geplant. Die Kirche wurde repariert, Fenster auf der Nordseite ausgebrochen und die 1681 gemalte Decke durch eine Gipsdecke verdeckt. Der Altar wurde abgetragen, die Orgel repariert und die Kirche innen geweißt.
liemehna kirchturm4 191855 sollte die Kirche und Turm von außen verputzt werden, doch das Kreisbauamt legte fest, das nicht verputzt, sondern nur ausgefugt werden sollte. Statt diesen Bestimmungen Folge zu leisten, hat man sowohl Kirche und Turm abgeputzt und geweißt und dabei die Türeinfassung und das Gesims des Turmes mit Kalk überpinselt. Der königliche Landrat in Delitzsch forderte die Namen der Verantwortlichen, um sie für Ihre Eigenmächtigkeit zur Verantwortung zu ziehen. 1856 wurde Kirchendach und Dach des Turmes repariert, dabei der Turmknopf vergoldet. 1857 wurde eine neue Orgel durch den Orgelbauer Schrickel aus Eilenburg gebaut. 1870 wurde eine Vereinbarung über die Herstellung einer neuen richtiggehenden Kirchenuhr durch Uhrmacher Handke aus Pressel getroffen. Nach einem Blitzschlag 1906, wurde 1907 die Instandsetzung der Kirche mit einem Kostenaufwand von 17.000 Mark beschlossen. Eine elektrische Heizung bekam die Kirche 1910.
1917 wurde die kleine Glocke aus Bronze vom Turm heruntergenommen um sie zu Heereszwecken zu verarbeiten. 1922 wurde eine neue Glocke aus Bronze angeschafft und am Pfingstsonntag geweiht.
Die 1857 gebaute Orgel war in einem sehr schlechten Zustand und somit wurde 1937 von der Firma Wilhelm Rühlmann (Zörbig) eine neue Orgel erbaut und am 26.05.1938 war die Einweihung. Diese Orgel wird heute noch bespielt, aber muss dringend repariert werden.
Die Glocken wurden auch 1940 wieder erfasst, um für die Kriegswirtschaft eine sofort greifbare Reserve an Metall zu schaffen, wurde die kleine Glocke wieder eingeschmolzen. 1957 wurde eine Hartgussglocke in Auftrag gegeben und im Mai 1958 fand die Glockenweihe für die neue zweite Glocke statt.
liemehna altar191965 wurde eine neue Blitzschutzanlage auf der Kirche errichtet. Dachreparaturen an Pfarrhaus und Kirche wurden vom Dachdecker R. Hennig Liemehna ausgeführt. 1975 erhielt die Kirche eine neue Tür mit dem Fenster über der Tür, von Herrn Süptitz aus Wölpern für 1200 Mark.
Matthias Vödisch (Bergsteiger) führte 1980 Reparaturarbeiten am Turmdach aus, dafür seilte er sich ab. Im Frühjahr 1990 hat ein Sturm das Turmdach stark beschädigt, auf einigen Quadratmetern fehlten Holzblanken und Dachschiefer. Das hatte zur Folge, dass auch die Glocken und die Orgel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Im Vorderschiff der Kirche war eine Schwammbekämpfung notwendig und das nötige Geld für all diese Arbeiten fehlte.
Theologiestudenten, die im Pfarrhaus wohnten, starteten gemeinsam mit der Gemeinde eine Spendenaktion. Ende Oktober 1991 konnte endlich der Auftrag an die GEBA GmbH aus Mühlhausen erteilt werden. Das Turmdach wurde vom Seil aus ohne Gerüst erneuert. Mitte der 90iger Jahre wurde auch das Kirchenschiff neu eingedeckt und die Uhr erneuert, auf deren Ziffernblatt keine Ziffern, sondern der Spruch NUTZEDIEZEIT zu finden ist.
2013/2014 wurde die Kirche endlich neu verputzt. Die äußere Hülle ist nun intakt. Für die Zukunft ist die innere Verschönerung geplant. Herr Peikert hat schon einige Arbeiten erledigt. Der Putz im unteren Teil wurde entfernt, um das Mauerwerk auszutrocknen, in der Sakristei sind Steine verlegt. Die Sanierung der Orgel und des Altar sind die nächsten vor uns liegenden Aufgaben. (Quelle - Gemeindeblatt Dez. 2019, Anne-Kathrin Windisch) 

>> Zurück zum Seitenanfang

 

Fotogalerie Liemehna:

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

>> Zurück zum Seitenanfang

Dorfkirche, ca. 13. Jh.

Die jetzige Kirche stammt wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert, jedoch wird angenommen, dass bereits Anfang des 13. Jahrhunderts hier eine Kirche stand, denn die Altarplatte ist aus jener Zeit. Der hölzerne Taufständer trägt eine zinnerne Taufschale von 1657 mit der interessanten Inschrift: "JN die Kirche zum Rothen Hahn 1657". Um diese Inschrift zu verstehen, muss man wissen, dass es an der Durchgangsstrasse in Krensitz einen sehr alten Gasthof gibt, der "Zum roten Hahn" genannt wird. Er war auch die Poststation zum Umspannen der Pferde.

Im Kanzelaufsatz über dem Altartisch sind fünf Holzfiguren untergebracht, die die vier Evangelisten und Christus darstellen. Im Altarraum befinden sich zwei Bleiglasfenster. Sie zeigen Martin Luther und Philipp Melanchthon.

Im Turm befinden sich Glocken von 1474 und 1921. Die Orgel stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kirche ist innen und aussen renoviert. Unter der Orgelempore wurde 1985 ein Gemeinderaum eingebaut. Er wurde aus der Kirche zu Döbern geborgen. Der Ort und die Kirche Döbern fielen dem Braunkohlentagebau zum Opfer.

An der Nordseite des Friedhofes ist eine alte Lehmwand erhalten, in der die seltenen Solitärbienen ihren Unterschlupf finden. Auch die artgeschützten Erdkröten sind im Umfeld des Friedhofes beheimatet.

(aus: "Spuren in Stein")


Es gibt unzählige Gasthäuser und Apotheken, die nach den benachbarten Kirchen benannt worden sind – oder zumindest nach den Erkennungszeichen ihrer Namenspatrone. Da gibt es Löwen-, Engels-, Adler- und Mohrenapotheken und ebensolche Restaurants. Andersherum wäre es auch seltsam. Aber tatsächlich gibt es in der Krensitzer Kirche ein Taufbecken aus dem Jahr 1657, das die Inschrift trägt „IN die Kirche zum Rothen Hahn“. Der alte Gasthof „Zum roten Hahn“, der noch vor der Kirche direkt an der alten Reichsstraße lag, hat einst viele berühmte Durchreisende beherbergt. Er war offenbar bekannter als die Kirche selbst – heute zeugt nur noch ein Torbogen von ihm. Kirche Krensitz 22Es kann vermutet werden, dass das Taufbecken Zeugnis von dem Wiederaufbau der Kirche gibt, die wie so viele andere Kirchen in der Region im 30jährigen Krieg zerstört worden war. Hier war nun auch die Erinnerung an den Namen zerstört – oder ging die Namensgebung des Gasthauses wiederum auf die alte Kirche zurück, die vielleicht eine Peterskirche war? Der Hahn ist ja ein Erkennungszeichen des Apostels Petrus. Die Ursprünge der Kirche liegen leider völlig im Dunkeln. Der jetzige Bau geht weitestgehend auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück, zuvor lässt sich vom Grundriss her noch eine romanische Saalkirche vermuten, die aus dem 13. Jahrhundert stammen könnte. Der ab halber Höhe oktogonale Turm hat eine verkürzte Spitze mit Kreuz. Innen tritt man durch eine 1985 eingebaute Winterkirche in einen hellen und geräumigen Kirchenraum, der allerdings erst durch den Abbau der Emporen auf der Nord- und Südseite entstanden ist. Die Orgel stammt von dem Delitzscher Orgelbaumeister Eduard Offenhauer und wurde in den Jahren 1879-80 eingebaut. Gegenwärtig ist sie leider nicht spielbar. Der Kanzelaltar ist mit geschnitzten und stark übermalten Holzfiguren geschmückt, den vier Evangelisten. Kanzelaltäre sind eine typisch evangelische Einrichtung, mit der die Heiligkeit der Worte der Evangelisten, Apostel und Propheten unterstrichen wurde. Aus diesen Worten wollte die Gemeinde alles an Wegweisung, Trost und Zurüstung erwarten. Und mit diesen Worten wurde auch das Heilige Abendmahl und die Heilige Taufe eingesetzt. Passend zu dieser reformatorischen Ausrichtung kamen dann um 1900 zwei große farbige Bleiglasfenster hinzu, welche die Reformatoren Philipp Melanchthon und Martin Luther zeigen. Sie wurden damals von der „Evangelischen Frauenhilfe Crensitz“ und einer Familie aus Niederossig gestiftet und schließlich in der Quedlinburger Glasmalerei Ferdinand Müller gefertigt. Die Reformatoren waren zu dieser Zeit sicher ein beliebtes Motiv, dennoch gibt es einige Besonderheiten: neben dem jeweiligen Wappen finden sich mit Eule und Nachtigall jeweils ein Symboltier; und unter dem Schriftzitat findet sich jeweils auch ein Liedzitat. Dies war sicher auch als Ermutigung für den Gemeindegesang gedacht. Vor zwei Jahren hat der Hagel die Fenster beschädigt, nun wurden die Fehlstellen ersetzt und die Fenster endlich neu eingesetzt. Die Krensitzer Gemeinde möchte gern weitere Schritte folgen lassen, um die Schönheit der „Kirche zum roten Hahn“ wieder sichtbar zu machen. (fk)

 

 >> Zurück zum Seitenanfang

 
Fotogalerie Krensitz:

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

 

Kirche Krensitz 22


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

>> Zurück zum Seitenanfang

Dorfkirche St. Laurentius, 1206-1208

In der Zeit von 1206 bis 1208 wurde diese imposante Kirche gebaut. Der spätromanische Baustil ist noch an den Nordfenstern, am Triumphbogen, an Freskoresten der Nordwand und neben der Kanzel, an dem wuchtigen Taufstein und am Altartisch zu erkennen. Es wird vermutet, dass damals eine Klosterbruderschaft zu dieser Kirche gehörte. So wäre die für eine Dorfkirche überaus große Bauanlage zu erklären.

Um 1500 wurden erhebliche bauliche Veränderungen durchgeführt. Der zusammengebrochene Turm wurde in der jetzigen Gestalt aufgebaut. Die Dachhaube selbst ist aus dem Jahr 1678. Der Altarraum wurde 1504 angebaut. An der Abrisskante des romanischen Altarraumes ist noch eine halbe Heiligenfigur zu erkennen. Der frühere Altarraum war mit den zwölf Aposteln ausgemalt. Seit dem Umbau im gotischen Stil besitzt die Kirche ein Netzgewölbe. Zu dieser Zeit wurden auch größere Fenster in die Südseite gebrochen und eine steinerne Empore eingebaut. Bei der letzten Innenrenovierung (1984-92) wurde die Kirche farblich wieder im Stil der Bauphase von 1504 ausgemalt. Ähnlichkeiten zur St. Thomaskirche in Leipzig und zur Podelwitzer Kirche sind erkennbar: weiße Wände, weiße Deckenfelder durchzogen mit rotbraunen Gewölberippen. An den Knotenpunkten des Gewölbes sind bunte Strahlen gemalt. In jener Zeit wurde auch der Treppengiebel an der Südseite angebaut. Er soll an den Rost erinnern, auf dem der Hl. Laurentius – der Namenspatron dieser Kirche – 258 starb. An der Eichentür dieses Giebels standen 1638 die Schweden und bedrohten die letzten Einwohner. Nach Ende des 30jährigen Krieges war dann der ganze Ort völlig zerstört und verwaist. Im Turmknopf liegt eine Urkunde mit den Namen der Besiedler, die nach 1649 wieder Leben in das Dorf brachten. Je nach Zunahme der Gemeinde wurde die 1583 begonnene hölzerne Empore 1666 und 1823 erweitert. Lediglich die vier ältesten Felder an der Nordseite sind mit Bildern ausgemalt. 

Eine Schönheit besonderer Art ist der barocke Altar. 1705 schnitzte ein Eilenburger Meister das Bibelwort 1. Kor. 13, Vers. 13, in Holz: "glaube richtig, liebe brünstig, hoffe beständig". Als Zusatz findet sich gemalt: "leide geduldig". Im Mittelteil befindet sich der Gekreuzigte, neben ihm zur Linken kniet weinend Maria Magdalena, zur Rechten ist ein abgebrochener Baum zu sehen, der wieder ausschlägt. Darunter ist ein Abendmahlsbild. Die Einsetzungsworte sind rechts und links dazugeordnet. 

Die Kanzel wurde 1726 ebenfalls im Stil des Barock von einem Meister aus Taucha gefertigt. Im Turm läuten zwei Glocken aus dem 16. Jh. Aber auch die Neuzeit, z.B. die Ideen der Friedensdekade der Jahre um 1985, hat ihre Zeugnisse hinterlassen. Ein schmiedeeiserner Leuchter zeigt, dass es tatsächlich möglich ist, das Schwert zum Pflugschar umzuschrnieden. Heute trägt er die Osterkerze mit der Botschaft: "Das Leben ist stärker als der Tod". Über dem Taufstein liegt ein Kerzenrad, das an das Kriegsleid in allen Himmelsrichtungen erinnert. So hat sich jede Generation an diesem einzigen denkmalgeschützten Gebäude des Ortes eingebracht. Besonders schwierig waren die Jahre nach dem letzten Krieg. Baumaterial und Geld waren nicht ausreichend vorhanden. Ab 1980 wurde je nach Möglichkeit das Gotteshaus renoviert. Heute sieht man die unterschiedlichen "Handschriften" der Handwerker am Außenputz, weil viele freiwillige Helfer Hand anlegten, um ihre Kirche zu erhalten. 1994 wurden die Bleiglasfenster von 1891 restauriert. Obwohl die Kirche in den letzten Jahren einem Bauplatz glich, konnte hier immer Gottes Wort verkündet werden. Bei allen Mühen hat die Gemeinde Gottes Segen in vielerlei Gestalt erfahren, auch durch Hilfe und Freundschaft von Menschen und Gemeinden. Und immer, wenn die kleinste, die Taufglocke von 1495, im Dachreiter erklingt, ruft sie über Dorf und Land: "Komme mit Frieden!" Und jeder, der hereinkommt, geht an den vielen Menschen vorbei, die sich hier versammelten und die nun auf dem Friedhof rund um ihre
und unsere Kirche ruhen.

(aus: "Spuren in Stein")

 


 
Unsere Pfarrhäuser: Krostitz-Hohenleina Pfarrhaus Krostitz 2 web
 
Meist wissen wir über unsere Kirchen mehr als über die dazugehörigen Pfarrhäuser. Über das Krostitzer Pfarrhaus aber könnten viele Seiten gefüllt werden. Vermutlich stand hier schon Anfang des 13. Jahrhunderts eine erste Behausung für den Ortspfarrer, vermutlich auch an derselben Stelle wie heute, denn der Haupteingang des Pfarrhauses liegt unmittelbar der alten Priesterpforte gegenüber. Pfarrhaus Krostitz 3a webDie älteste Notiz stammt von Simon Gerlach, der ab 1543 als evangelischer Pfarrer in Hohenleina wirkte. Er schreibt: „Ein arm und gering Pfarrhaus, sind Säulen gerichtet und Sparren darüber gehangen wie eine Scheune, hat keinen Boden, dass man zum Vorrat etwas behalten kann. Die hohe Notdurft [Notwendigkeit] erfordert, dass eine neue Behausung gebaut werde. Einen Garten am Hause, darin habe ich Obstbäume gezeuget [gepflanzt], sind zuvor keine vorhanden gewesen. Eine Grube im Garten, die ganz wüst; wo [wenn] dieselbe wieder aufgeführt und richtig gemacht, könnte ein Pfarrer ein wenig Fischlein behalten für seinen Haushalt.“ Von der Bauweise scheint es sich um einen hölzernen Ständerbau zu handeln, der bis in älteste Zeit zurückreichen könnte. Und es wird nicht neu gebaut! Gerlach beschwert sich 30 Jahre später, dass die Wohnstube immer noch nicht gedielt und „übel des winters halben bewart“ sei, Feuerholz wäre Mangelware.  
Von 1610-1628 tat der aus Beucha stammende Magister Zachäus Faber hier seinen Dienst. Er hatte zuvor an der Torgauer Stadtschule als Rektor gearbeitet und war als lateinischer und griechischer Lyriker vom Kaiser geehrt worden. Bekannt geblieben ist er durch das Gesangbuchlied „Fröhlich wir nun all fangen“ (EG 159) – eine Steintafel neben dem Haupteingang erinnert daran. 
Im 30jährigen Krieg wurde das Pfarrhaus mehrfach geplündert und schließlich 1637 mit dem Dorf niedergebrannt. Bis 1659 musste der neue Pfarrer auf einem wüsten Bauernhof hausen und zog dann in den Neubau ein, der jedoch schon 1685 durch Brandstiftung zerstört wurde. Und noch ein drittes Mal wird das Pfarrhaus ein Raub der Flammen: 1702 bricht ein Feuer auf der Kirchhof-Schmiede aus, die Bewohner rennen, um die Kirche zu retten, und niemand achtet auf die Pfarre. Pfarrhaus Krostitz 7 webTragischerweise wird bei diesem letzten Brand die kostbare Bibliothek des Johann Benedict Metzler zerstört, der daraufhin in tiefe Depressionen verfällt und viele Jahre keinen Pfarrdienst tun kann. 
Um 1780 ist Pfarrer Christoph Heinrich Wachsmuth darauf bedacht, Haus und Garten zu verschönern. An den Giebel des Pfarrhauses pflanzt er Weinstöcke, den Garten gestaltet er zu einem Park mit tempelartigem Gartenhaus um. Zwei Teiche lässt er durchstechen und mit einer Brücke überspannen. Die napoleonischen Kriege zerstören aber wieder dieses Idyll. Wachsmuths Schwiegersohn, Friedrich Baltzer, muss in einer Nacht durch das Fenster springen, um sich vor den Plünderern zu retten. Ungebetene Gäste quartieren sich ein. Für mehrere Wochen lässt sich ein Capitaine Dubrais aushalten, der mit seiner angeblichen Gemahlin aus Leipzig, der „Jungfrau Püschel“, und zahllosen Gästen im Pfarrhaus sein Unwesen treibt. Andere Einquartierungen versprachen einen gewissen Schutz. So übernachtete vom 13.-14. Oktober, kurz vor der Völkerschlacht, der französische Marschall und Herzog von Treviso, Édouard Mortier, im Pfarrhaus. Ein Jahr nach diesen Ereignissen wurde im Pfarrhaus Eduard Baltzer geboren, der später als freireligiöser Prediger, Begründer des deutschen Vegetarismus und der Jugendweihe wichtigen Einfluss erlangen sollte.
Pfarrhaus Krostitz 4 webPfarrhaus Krostitz 3b webIm Jahr 1869 wurde das alte Pfarrhaus, welches in Nord-Süd-Ausrichtung stand, abgerissen und das jetzige helle und großzügige Gebäude errichtet. Im gartenseitigen Erdgeschoss war ein Wirtschaftsraum mit großem Backofen eingerichtet, auf der anderen Seite schloss sich ein Raum für die Kinderunterweisung an. Das Amtszimmer besaß eine kleine hölzerne Veranda. Unter dem Dach war eine bescheidene Kantorenwohnung eingerichtet. Nach 1945 wurden zahlreiche Fenster zugemauert, um Stellflächen zu gewinnen für die vielen Flüchtlingsfamilien, die zimmerweise im Pfarrhaus einquartiert worden. Als Pfarrer Friedrich Baentsch in den Ruhestand ging, wurde für ihn und seine Frau eine kleine Ruhestandswohnung mit Anbau zum Garten hin geschaffen. Pfarrer Karl-Heinz Uth sorgte in den 1970er Jahren unter abenteuerlichen Verhandlungen für den Einbau neuer Fenster. Auch lange nach der Wende blieben die Verhältnisse im Pfarrhaus sehr bescheiden – die Renovierung der Kirchen ging vor. Erst ab 2009 erfolgte unter Federführung des Kirchenkreises die aufwendige Sanierung. Beinahe wäre es 2011 noch einmal zu einem verheerenden Brand gekommen, aber dies konnte mit Gottes Hilfe abgewendet werden. (fk)   
 

>> Zurück zum Seitenanfang

 
Fotogalerie Krostitz:

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

>> Zurück zum Seitenanfang

 

 

 

 

 

 

Dorfkirche, 12. Jh.

Das Christentum hat an vielen Stellen ältere Religionen nicht nur verdrängt, sondern vereinnahmt oder aufgenommen. So stehen viele Kirchen an Stellen früherer Heiligtümer. Die Gostemitzer Kirche steht auf einem Hügel, von dem man annehmen könnte, dass er bereits slawischer bzw. wendischer Religion als Kultort diente.

Die Kirche in Gostemitz ist ein Kleinod unter den Kirchen im Kirchenkreis, das zurzeit jedoch nicht so ansehnlich ist. Ihre Entstehung wird im 12. Jh. angesetzt. So findet man den Bogen eines sehr kleinen romanischen Fensters in der Mitte der östlichen Chorwand. Der ursprünglich romanische Bau erfuhr im Laufe der Zeit Veränderungen. Auch in Gostemitz hinterließ der 30jährige Krieg Spuren. Jedenfalls wird von einer Neugestaltung des Innenraumes im Jahr 1689 berichtet, wo auch der Turm auf die Kirche gebaut oder zumindest erneuert wurde, der Altar und die Emporen entstanden. In der ersten Hälfte des 18. Jh. heiratete einer der Herren Hertwig von Groitzsch – Patron der Kirche – eine Gostemitzer Frau. In Erinnerung an sie, vielleicht aus Anlass ihres Todes, stiftete ihr Sohn im Andenken an seine Mutter die kleine Orgel im Jahr 1867. Auch weisen zwei Grabplatten wie auch eine Inschrift aus dem 17. Jahrhundert auf die Verbindung zum Gut Groitzsch hin. Was heute der Jugend oft als Unart angerechnet wird – sich überall mit Schmierereien zu verewigen, das erscheint einem in der Gostemitzer Kirche geradezu als lebendiges Geschichtszeugnis:

Die Orgel hat einen Blasebalg, der nicht getreten werden muss, sondern mit einem Seil gezogen wird. An der Orgel kann man lesen, wer in den ganzen Jahren alles den Balg gezogen hat. 

In der Kirche finden sich Hinweise auf den liturgischen Gebrauch der Kirche weit vor der Reformationszeit. So gibt es in der Sakristei eine "Piscina" - ein Ausguss in der Wand, durch den man nicht mehr gebrauchtes Weihwasser schüttete. Ebenso findet man dort auf dem Fußboden mitten zwischen Backsteinen einen abgetretenen Sandstein, auf dem sich wahrscheinlich die Priester bekreuzigten, bevor sie das Weihwasser aus der "Piscina" gossen. Der Dachstuhl des Turmes und besonders der Glockenstuhl sind Zimmermannsarbeiten von besonderer Schönheit. Obwohl sicher niemand daran dachte, dass der Turm ständig besichtigt werden würde, hatte man den Glockenstuhl mit Liebe zum Detail gestaltet, nach dem Motto: Gott sieht auch, was unter dem Dach ist. Die Kirchengemeinde in Gostemitz ist inzwischen sehr klein. Es muss deshalb überlegt werden, wie die Kirche gottesdienstlich genutzt werden kann. Ein schöner Auftakt dafür war die Feier der Osternacht 1996. Kerzen zeigten den Ankommenden den Weg, Kerzen beleuchteten die Kirche, in der die moderne Zeit mit Elektrizität noch keinen Einzug gehalten hat.

(aus: "Spuren in Stein")

Die Schrickel-Orgel in Gostemitz

Es gibt Orgeln, die wurden schon so lange nichtgespielt, dass sich niemand an ihren Klang erinnern kann. So erging es auch dem Instrument in der alten Gostemitzer Kirche. Ein Blickfang ist die Schrickel-Orgel immer gewesen, wenn im Kerzenschein die Christ- und Osternacht gefeiert wurde. Dann schimmerten geheimnisvoll vergoldete Köpfe und Sterne. Aber Töne konnte sie nicht mehr hervorbringen. Jahrzehntelang hatte sich der Dreck im Gehäuse gesammelt, die Holzwürmer und der Marder leisteten ganze Arbeit und böse Finger haben zuunguterletzt alle inneren Metallpfeifen gestohlen. Wenigstens die kostbaren Prospektpfeifen sind geblieben, weshalb die Orgel von den Fachleuten als „eine absolute Rarität von sehr hohem Denkmalswert" angesehen wird. Dies aber auch wegen des Erfinderreichtums, mit dem die engsten Platzverhältnisse von dem Orgelbauer Johann Nicolaus Schrickel technisch gelöst wurden.
gestemitz orgel22Die Herren Hertwig von Groitzsch waren zu jener Zeit die Patrone der Kirche. Einer von ihnen heiratete eine Gostemitzerin, deren Sohn die Orgel 1866 zu ihrem Andenken stiftete. Deshalb ziert auch das Wappen der Familie die Spitze des Orgelprospektes. Schrickel, der den Auftrag erhalten hatte, baute innerhalb eines Jahres das Instrument. Der Eilenburger Orgelbauer hatte einst bei Ludwig Weineck gelernt und sich 1845 in der Torgauer Straße selbständig gemacht hatte.
In der Umgebung von Eilenburg, aber auch in Thüringen und der Niederlausitz hat er mehr als 60 Orgeln gebaut. Sein Gostemitzer Werk besitzt ein Manual mit den Registerstimmen Viola di Gamba, Hohlflöte, Principal und Octave. Diese wenigen feinen Stimmen reichen völlig aus, um den kleinen Kirchraum zu füllen. Auch ein Klingelzug existiert, der den Helfern signalisierte, wann sie den Blasebalg zu ziehen hatten - um ihn zu treten, reichte der vorhandene Platz nicht aus.
Die letzte umfassende Wartung der Orgel fand am 24. Januar 1927 durch Zörbiger Orgelbauer statt. Nach fast 100 weiteren Jahren hat nun der sächsische Orgelbaumeister Georg Wünning das Instrument umfassend restauriert und fehlende Teile aufwendig ersetzt. Am 7. Oktober 2022 wurde die Orgel dann erstmalig den Sachverständigen und einigen Gemeindemitgliedern vorgestellt. Bewegend der Moment, als unser ehrenamtlicher Organist Volker Dittmann nach über 50 Jahren die Pfeifen erstmalig wieder erklingen ließ. Nun hoffen wir, dass spätestens zum Osterfest die Orgel mitsamt der ganzen restaurierten Kirche in den Dienst der Gemeinde übergeben werden kann. (fk) (Quelle: Gemeindeblatt Dez. 2022)

 

>> Zurück zum Seitenanfang 

 

Fotogalerie Gostemitz:

(Zum Vergrößern bitte anklicken)

 

GostemitzAltarraum2 Website

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

>> Zurück zum Seitenanfang