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Liebe Leserinnen und liebe Leser!Laurentius

Mitten in den Herbstmonaten wird das Reformationsfest gefeiert. Wäre sie nicht so klein, dann müssten wir dies eigentlich in der Krensitzer Kirche tun. Denn dort finden sich in den Buntglasfenstern die beiden Reformatoren Philip Melanchthon und Martin Luther nahezu lebensgroß abgebildet. Das sind richtige Augenfänger mit Überraschungseffekt! Da hockt doch neben den Köpfen jeweils ein Vogel, bei Melanchthon eine Eule und bei Luther eine Nachtigall. Luther hatte schon zu Lebzeiten den Spitznamen „Wittenbergische Nachtigall“ bekommen. Tatsächlich hat er gerne gesungen, musiziert und sogar mehrstimmig komponiert. Seine Lieder verbreiteten wie ein Lauffeuer die evangelische Lehre. Allein in unserem Gesangbuch sind 34 Lieder von ihm enthalten (Rekord!), bei 19 Liedern stammt auch die Melodie von ihm. Und diese Melodien haben es in sich, von einer Farbigkeit und Rhythmik, die teilweise so komplex war, dass sie später vereinfacht wurden – wie dies zum Beispiel auch bei dem Lied „Ein feste Burg“ geschehen ist, welches in dem Krensitzer Fenster zu Füßen Luthers zitiert wird. Aber auch zu Melanchthons Füßen findet sich eine Liedstrophe, denn auch er hat mehrere Lieder gedichtet. Die Eule verweist bei ihm allerdings auf die Weisheit. Mit nur 21 Jahren wurde er auf den Wittenberger Lehrstuhl für Altgriechisch berufen, wo er 42 Jahre lang als hervorragender Pädagoge, Universitätsreformer und theologischer Schriftsteller wirkte. Den „Lehrer Deutschlands“ hat man ihn genannt. Natürlich war auch Luther ein außerordentlich begabter Pädagoge, aber die Symboltiere gewichten die Begabungen. In einem aber zeigen die Krensitzer Glasbilder eine unauflösbare Verbindung: Beide Reformatoren halten ein Schriftzitat in den Händen und zeigen damit an, aus welcher Mitte sie geschöpft haben. Bei Melanchthon steht dort ein Ausspruch von Jesus (Joh 17,21): „Auf dass sie alle eins seien, gleich wie Du, Vater, in mir und Ich in Dir“; und bei Luther ein Apostelzitat (Röm 3,24): „Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“ Die „hellen, dürren Sprüche“ der Bibel würden „mit klarem Verstand uns zwingen“ – so hatten sie beide es entdeckt und die daraus gewonnene Gewissheit in ihren Liedern zum Klingen gebracht. Die reformatorische Entdeckung aber gilt es auch in unserer Zeit zu machen: Dass das biblische Wort tragfähig ist, nahrhaft und erhellend für die Entscheidungen, die wir treffen müssen.

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Friedemann Krumbiegel