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Liebe Leserinnen und liebe Leser!

erntedank19Neulich entdeckte ich über einer Tür diese Inschrift: TAUFRAEHENSIN MAKT RIEKE. Die Tür gehörte zu einem Rathaus in der Magdeburger Börde, und dort wird bekanntlich Plattdeutsch gesprochen. „… macht reich“ – so konnte ich mir die letzten beiden Worte zusammenreimen. Aber was sollte nun reich machen? Ob das erste Wort etwas mit der Taufe zu tun hat, überlegte ich? Das würde ja Sinn machen, etwa: „Getauftsein macht reich!“ Das könnte ich jederzeit unterschreiben. Wenn ich an unsere kleinen Täuflinge des Sommers denke, meine ich schon, dass diese Kinder mit der Taufe etwas unendlich Kostbares empfangen haben. Aber sicherheitshalber befragte ich eine Einheimische. „Nein“, schüttelte die den Kopf und lachte, „Taufraehensin ist die Zufriedenheit, und die macht reich!“
Meine Gedanken wanderten weiter: Zufriedenheit macht reich, nicht Reichtum zufrieden. Das leuchtet ein, obwohl viele dem gegenteiligen Versprechen nachjagen. Sicher ist das auch eine der Botschaften von Erntedank: Habgier macht unzufrieden und höhlt das Leben aus. Andererseits kann der Ärmste unendlich reich sein bei Gott, weil er mit guten Taten die himmlischen Vorratskammern beliefert hat. Und wer in Gott seinen höchsten Schatz hat, der wird aus einem inneren Frieden heraus auch die Schönheit und den Reichtum der Schöpfung wahrnehmen. „Schaut die Lilien auf dem Felde und die Spatzen unter dem Himmel“, sagt Jesus.
Noch etwas gab mir zu denken: Der obige Türspruch befand sich nicht am Hauptportal des Rathauses, sondern an einem Nebeneingang. Zufriedenheit kann man nicht einfordern und verwalten. Aber man kann deutlich machen, woraus ein starker Zusammenhalt einer Bürgerschaft erwachsen kann. Wenn in den Kommunen und Ländern gewählt wird, steht immer stark die Unzufriedenheit im Vordergrund, und die Versprechen, die darauf reagieren wollen. Die enttäuschten Erwartungen befeuern dann wieder die Unzufriedenheit, ein frustrierender Kreislauf. Wie aber, wenn eine Gemeinschaft sich zufriedengeben will mit dem, was ihr von Gott gegeben ist, und daraus füreinander das Beste schaffen will?

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Friedemann Krumbiegel