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Liebe Leserinnen und liebe Leser!hare 4315587 1920web

Der Feldhase scheint geradezu die Verkörperung von Wachsamkeit zu sein. Er ist von seinem Schöpfer bestens ausgestattet worden, um genau das perfekt zu können: Die großen Augen an den Kopfseiten, die ihm einen genialen Panoramablick ermöglichen, dann die Löffel, die wie große Lauschantennen jedes kleinste Geräusch vermelden, und schließlich die flinken Läufe, bereit, im Bruchteil einer Sekunde loszuspringen.
„Wachet!“ – sagt der Monatsspruch im März. Ein einziges Wort. Jesus erklärt vorher: „Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gebot dem Türhüter, er solle wachen: so wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen“ (Markus 13,34-35). Wie lange hält ein Mensch ohne Schlaf aus? Seit 2007 liegt der Nichtschlafrekord bei 266 Stunden, was aber keineswegs nachahmenswert und gesund ist. Ein Türhüter aber hatte die Aufgabe, die Nacht durchzuwachen, bis der Hausherr heimkäme. Das war durchaus machbar. So hat das Wachen eine ganz bestimmte Funktion: Es soll eine Bereitschaft ermöglichen, im Sinne des Auftraggebers zu handeln und am angewiesenen Platz zu sein. Wir sollen nicht schläfrig sein in den Fragen, was zu tun ist und wo unser Platz ist, so als ob wir nie Rechenschaft ablegen müssten vor unserem Herrn. Wir sollen vielmehr hellwach nach seinem Willen fragen und das Erkannte mit zitterndem Herzen tun.
„Wachet!“ Es ist kein Leichtes um dieses eine Wörtchen, auch weil es nachgeäfft und verdreht wird. Da wird der „Wachtturm“ in einer schwindelerregenden Auflage angeboten; „Erwachet“ heißt eine andere bunte Zeitschrift, die auf Mitgliederfang geht. Selbsternannte Wächter machen anderen Christen das Leben schwer und mutieren zu bissigen Wachhunden. Schließlich gab es auch einst die aufpeitschende Parole „Deutschland erwache!“, die manche heute noch toll finden. Auch wegen solcher Verdrehungen, die immer möglich sind und sich klammheimlich einschleichen können, müssen wir hellwach auf das schauen, was uns im Evangelium tatsächlich gegeben ist.
Übrigens hat man den Hasen in der Antike für ein Tier gehalten, das nie zu schlafen braucht. Man meinte, es hätte keine Augenlider und sei immer wach. Die frühen Christen haben deshalb den Hasen zu einem Symboltier für die Auferstehung gemacht; an manchen romanischen Kirchen entdeckt man ihn, wie er mit seiner Wachsamkeit sogar Löwen besiegt und seine Jäger bezwingt. Und so ist er schließlich ins Osterfest eingewandert und dort allen gut bekannt: als Osterhase.

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Friedemann Krumbiegel