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Liebe Leserinnen und liebe Leser!Kirchblatt 03 2020

In den Herbstmonaten gibt es viele schöne und helle Höhepunkte, auf die wir in unseren Kirchen zugehen und uns freuen dürfen: die Erntedankfeste und das Reformationsfest, der Tag des offenen Denkmals und der Martinstag. Aber am Ende dieser Zeit warten auch Volkstrauertag, Buß- und Bettag und der Ewigkeitssonntag auf uns. Besonders der Buß- und Bettag fristet ein Schattendasein, obwohl wir Sachsen eigentlich stolz sein könnten, dass wir als einziges Bundesland diesen Feiertag noch haben. Aber was gibt es da eigentlich zu feiern? Für viele ist es doch eher ein „Bus- und Betttag“, also ein Tag, an dem man länger im Bett liegenbleiben kann, um dann vielleicht mit dem Bus in die Einkaufstempel des Nachbarlandes zu kurven. Der Gedanke an Schuld und Sünde erschreckt, - und dennoch hat Julius Schniewind einst von der „Freude der Buße“ gesprochen. Wer schon erlebt hat, welch großes Glück Vergebung sein kann, wie leicht sich das anfühlt und wie befreit man danach sich wieder den Menschen und Gott und der eigenen Berufung zuwenden kann, der wird dem aus ganzem Herzen zustimmen. In der Vergangenheit war die Notwendigkeit noch viel stärker im Bewusstsein, dass der Einzelne wie auch ein ganzes Volk sich erneuern müssen durch einen ernsthaften Sinneswandel. In der Wölperner Kirche, die in dieser Ausgabe eine besondere Rolle spielt (siehe die Seiten 10-11) findet sich die seltene Einrichtung eines evangelischen Beichtstuhls. Er ist nicht gleich zu erkennen, denn Beichtstühle kennt man vor allem aus katholischen Kirchen, in denen sie meist am Rand stehen, komplett eingehaust und auch innen so gebaut, dass sich der Priester und der Beichtende nicht sehen können. In Wölpern aber steht der Beichtstuhl in Pole-Position gleich auf der linken Seite des Altars. Er ist nur halb eingehaust, der Blick geht frei zum Altar mit dem gekreuzigten Christus. Man konnte sich dort allein hinsetzen oder aber mit dem Pfarrer, der einem im Namen Gottes zuhörte und die Vergebung zusprach. Dies sollte eine Hilfe sein für Menschen, die sich besonders angegriffen fühlten und denen der Zuspruch aus einem anderen Mund wohltat. Ich gebe zu, dass sich in der Wölperner Kirchenchronik kein Vermerk zu dem Beichtstuhl findet. Man könnte auch meinen, dass es sich hier einfach um eine Verlängerung des Kirchengestühls handelt. Aber die Inschriften an der hölzernen Einhausung, die sich nur hier finden, machen den Zweck nur allzu deutlich. Dort steht: „Ich gedenke heute an meine Sünde; Genesis 41,9. So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Psalm 130,3. Vergib uns alle Sünde und thu uns wohl, so wollen wir opfern die Farren unserer Lippen. Hosea 14,3.“ Letzteres meint, dass am Ende ein Lobpreis steht, womit wir wieder bei der Freude wären. Ich wünsche uns und unserem Land, dass wir wieder zu dieser Freude durchdringen.

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Friedemann Krumbiegel